Mittwoch, 2. Juni 2010

Eine Farce: Die Verfilmung von UMS PARADIES BETROGEN

Im ZDF läuft heute im Rahmen einer Wiederholung der zweite Teil der deutschen Verfilmung (Erstausstrahlung: 2005) von Philip Shelby's Debütroman "Ums Paradies betrogen" (Originaltitel: "This Far From Paradise"). Da Shelby einer meiner Lieblingsschriftsteller ist (allerdings weniger wegen seines Debüts als seiner späteren Thriller "Gatekeeper" und "By Dawn's Early Light"), ärgert mich jede Sekunde dieser plumpen, sterilen, entsetzlich schlecht gespielten und unerträglich kitschigen Verfilmung.


Philip Shelby
Ums Paradies betrogen
Droemer Knaur 1995
619 Seiten

Philip Shelby
This Far From Paradise
Bantam Books 1988
516 Seiten



Der Roman, 1988 erstmals erschienen und seither in zehn Sprachen übersetzt, ist ungeachtet seiner Aufmachung sowohl in den USA als auch in Deutschland nämlich keine Schmonzette a' la Rosamunde Pilcher, sondern galt damals als Paradebeispiel des Genres "Commercial Women's Fiction", in dem sich Shelby später noch mit "Dreamweavers" und "Oasis of Dreams" tummelte.

Zur Story: Der ehrgeizige Aufsteiger Andrew Stoughton, rechte Hand des in der Karibik ansässigen Unternehmers Max McHenry, tötet seinen Boss und erschleicht sich die Liebe und das Vertrauen von dessen attraktiver Tochter Rebecca. Zum Schein heiratet er sie, um anschließend, ausgestattet mit weitreichenden Vollmachten, das Unternehmen McHenry Enterprises dem langjährigen Widersacher McHenrys, Silas Lambros, in die Hände zu spielen. Danach heiratet er dessen Enkelin Celeste. Die nun mittellose Rebecca wird aus ihrer karibischen Heimat, der fiktiven Inselkette The Angelines, vertrieben. Von New York und London aus startet sie einen präzise geplanten Rachefeldzug...

Auf über fünfhundert Seiten erzählt Shelby die weit verzweigte, facetten- und intrigenreiche und äußerst spannende Geschichte von Rebeccas Aufstieg zu einer erfolgreichen Unternehmerin, wobei er weder seine Heldin noch die sonstigen durchaus vielschichtigen und interessanten Figuren schont. Und nun die Verfilmung im ZDF: Kein einziger, wirklich nicht einer der Darsteller (vielleicht mit Ausnahme von Anja Knauer, die Rebeccas Freundin Bix spielt), schafft es auch nur annähernd, seine literarische Vorlage auszuloten. Suzan Anbeh als Rebecca und Erol Sander als Andrew agieren geradezu empörend glatt, konturenlos und weichgespült, die anderen Figuren so, wie sie sich einen amerikanischen Anwalt, einen karibischen Gouverneur, einen Millionär, die verwöhnte Enkelin eines Millionärs usw. vorstellen - aber sie sind es eben nicht. Selbst die farbigen Schauspieler an den karibischen Schauplätzen wirken wie aus Deutschland eingeflogen. Und die Kulissen, etwa die Bibliothek des amerikanischen Anwalts oder der Wohnsitz von Silas Lambros, erscheinen oft seltsam seelenlos, eben wie Kulissen, wie Pappmaché. Wo Shelbys Rebecca leidenschaftlich, erotisch, zielstrebig und rachsüchtig ist, bleibt Darstellerin Suzan Anbeh das nette Mädchen, das Sätze wie "Ich habe dein Kind unter meinem Herzen getragen." sagt (*gähn*). Wo Shelbys Celeste Lambros intrigant und durchtrieben ist, ist Darstellerin Sylvia Leifheit die Karikatur einer harmlosen, verwöhnten, steril-schönen Millionärsenkelin. Wo Shelbys Silas Lambros der erpresserische, skrupellose, lebenserfahrene Patriarch und Unternehmer ist, der im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, ist Darsteller Craig Braun ein überfordert wirkender Mann, dem man nicht einmal die Leitung einer Würstchenbude zutraut.

Fazit: Wer den wahren Philip Shelby kennenlernen will, sollte unbedingt zum Buch greifen.