Martin Lutterjohann - Tokyo mit Kyoto und YokohamaReise Know how Verlag 2006 (inzwischen aktualisierte 6. Auflage erhältlich)
504 Seiten
Tokyo City Atlas
Kondansha Verlag 2004 (3. Auflage)
124 Seiten
Lonely Planet Sprachführer Japanisch
Mairdumont 2009 (2. Auflage)
260 Seiten
Nachdem ich vor einigen Monaten das Buch "Tokio Total" von Finn Mayer-Kuckuck besprochen habe, das eine wunderbare Einstimmung auf das Reiseland Japan ermöglicht, will ich mich heute mit drei hervorragenden Büchern beschäftigen, die als Begleiter für einen kürzeren oder auch längeren Tokio-Aufenthalt erforderlich, aber auch völlig ausreichend sind.
Martin Lutterjohann hat mit seinem inzwischen schon in der sechsten Auflage erschienenen Tokyo-Reiseführer Maßstäbe gesetzt, die meines Erachtens jedenfalls derzeit von keinem Konkurrenzwerk erreicht werden. Auf über 500 Seiten und für faire 19,90 EUR lässt er die japanische Hauptstadt auf sympathische und warmherzige Weise lebendig werden, widmet sich - natürlich - Geschichte und Geographie der Region, aber auch der Küche, Sprache und Mentalität ihrer Bewohner und gibt etliche praktische Reisetipps. Ausführlich beleuchtet er die für den Besucher interessantesten Stadtteile (wards), wobei man stets im Blick haben muss, dass es "das" Tokio eigentlich nicht gibt, sondern eben nur jene insgesamt 23 wards, jeder mit bestimmten Besonderheiten und einer eigenen Prägung (das Elektronikviertel, das Regierungsviertel, das Vergnügungsviertel, das Tempel-Viertel usw., wobei "Viertel" ein wenig untertrieben ist, wenn man berücksichtigt, dass in einem ward oft mehrere hundertausend Menschen wohnen). Die Angaben zur Einwohnerzahl Tokios schwanken, bei Wikipedia ist von etwa acht Millionen die Rede, tatsächlich dürften in den 23 wards rund zwölf Millionen Menschen (etwa 1/10 aller Japaner) leben. Durch die allmorgendlich in die Hauptstadt strömenden Pendler - allein 3,8 Millionen passieren täglich den Bahnhof Shinjuku - wächst diese Zahl tagsüber natürlich dramatisch an. Jedoch - und das ist das Faszierende an dieser Stadt - Tokio "erschlägt" den Besucher nicht. Im Gegenteil, gerade die strenge Gliederung in wards lässt den vermeintlichen Moloch überschaubar und l(i)ebenswert werden. Es ist keineswegs ungewöhnlich, selbst in der eigentlichen Zentralregion Abschnitte mit fast schon dörflichem Charakter und himmlischer Ruhe zu finden - und nur wenige Meter weiter Wolkenkratzer und sich wie Betongirlanden um die Häuser windende Hauptverkehrsstraßen. Lutterjohann widmet sich den interessantesten Vierteln (von Shinjuku über Shibuya, Ginza, Ikebukuro, Akihabara bis hin zu Roppongi und Odaiba), beschreibt Ausflugsziele, Landmarks und Restaurants und ermöglicht gerade dem Erstbesucher, innerhalb von zehn oder vierzehn Tagen einen etwas tieferen Eindruck von Tokio zu gewinnen.
Allerdings haben die Japaner ein etwas eigenwilliges Adressen-System. Zum einen haben kleinere Straßen in der Regel keine Namen, vielmehr enthalten die Adressen die Nummern von Bereich, Block und Haus, zum anderen werden die Nummern in der Reihenfolge der Erbauung der Gebäude vergeben, nicht etwa fortlaufend. Deshalb orientieren sich auch Japaner bei der Suche bestimmter Adressen oft an bekannten Landmarks, wobei Ausgangspunkt der Suche meist die nächstgelegene U-Bahn-Station ist (das Nahverkehrssystem in Tokio ist sensationell gut). Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist nicht so ganz einfach, sich in Tokio zurechtzufinden. Hierbei hilft der "Tokyo City Atlas", der mir zwar mit einem anderen Cover als dem bei Amazon abgebildeten vorliegt, ISBN und Auflage stimmen aber. Dieses Buch ist, worauf in einigen Rezensionen hingewiesen wird, für Menschen, die Monate oder gar Jahre in Tokio leben und auch für die weniger bekannten, abseits gelegenen wards Karten in der im Buch gebotenen Detailliertheit bräuchten, vielleicht nicht ausreichend, aber ein Urlauber wird nahezu alle für ihn relevanten Adressen auf einer der zahlreichen Karten finden und kann sich nach der von Lutterjohann beschrieben (S. 34 f.) Methode Chome (Bereich), Block und Haus-Nummer heraussuchen und so sein Ziel wirklich schnell und effizient erreichen. Hat man irgendwo einmal durch Zufall z.B. ein Lokal entdeckt, das man gern noch einmal besuchen möchte, kann man es sich im City Atlas markieren. Denn eines - dies sage ich aus leidvoller Erfahrung - funktioniert ganz bestimmt nicht: Davon auszugehen, dass man etwas aus dem Gedächtnis wiederfindet. Zu ähnlich sehen sich viele Straßen, zu viele Ausgänge haben die einzelnen U-Bahn-Stationen...
Wer der japanischen Sprache nicht mächtig ist, sollte schließlich zum "Sprachführer Japanisch" von Lonely Planet greifen, der zum einen durch seinen moderaten Preis (7,95 EUR) überzeugt und zum anderen dadurch, dass er zahlreiche tatsächlich alltagstaugliche Redewendungen enthält. Es hilft einfach ungemein, wenn man Begrüßung, Wünsche und Dank auf Japanisch ausdrücken kann - sei es im Restaurant oder beim Friseur oder beim Arzt. Für diese und zahlreiche weitere Situationen hält der Sprachführer verblüffend viele tatsächlich nützliche Redewendungen bereit. Natürlich schleicht sich auch bei Lonely Planet die eine oder andere überflüssige Sprachhilfe ein. Wie realistisch ist es wohl, dass ein Tourist im höflichen Japan dem Verkäufer oder dem Friseur entgegenschleudert: "Anata ni tanomanakereba yokata!" (Wäre ich bloß nicht hierhergekommen!) Aber gemessen an anderen Sprachführern, die die Sprache anhand alberner Beispiele (Verfolgungsjagden mit Yakuza-Mitgliedern) nahebringen wollen, überzeugt das Exmplar von Lonely Planet alles in allem wirklich durch hohe Alltagstauglichkeit. Und wer einmal Sushi auf Japanisch bestellt hat, wird feststellen, dass allein der Versuch sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wird. Ich habe das Buch jedenfalls als unentbehrliche Hilfe empfunden, die den Aufenthalt in Japan spürbar erleichtert.
Fazit: Es gibt, rechnet man noch die englischsprachigen Reiseführer hinzu, ein gewaltiges Angebot an Reiseliteratur für Tokio, darunter ein sehr gutes Book-on-demand-Werk von Axel Schwab mit 38 ausgewählten Touren. Aber da der Tourist auch beim langen Flug nach Japan den üblichen Gepäckbeschränkungen unterliegt, lege ich in erster Linie die Mitnahme des oben beschriebenen Paketes ans Herz.
Martin Lutterjohann hat mit seinem inzwischen schon in der sechsten Auflage erschienenen Tokyo-Reiseführer Maßstäbe gesetzt, die meines Erachtens jedenfalls derzeit von keinem Konkurrenzwerk erreicht werden. Auf über 500 Seiten und für faire 19,90 EUR lässt er die japanische Hauptstadt auf sympathische und warmherzige Weise lebendig werden, widmet sich - natürlich - Geschichte und Geographie der Region, aber auch der Küche, Sprache und Mentalität ihrer Bewohner und gibt etliche praktische Reisetipps. Ausführlich beleuchtet er die für den Besucher interessantesten Stadtteile (wards), wobei man stets im Blick haben muss, dass es "das" Tokio eigentlich nicht gibt, sondern eben nur jene insgesamt 23 wards, jeder mit bestimmten Besonderheiten und einer eigenen Prägung (das Elektronikviertel, das Regierungsviertel, das Vergnügungsviertel, das Tempel-Viertel usw., wobei "Viertel" ein wenig untertrieben ist, wenn man berücksichtigt, dass in einem ward oft mehrere hundertausend Menschen wohnen). Die Angaben zur Einwohnerzahl Tokios schwanken, bei Wikipedia ist von etwa acht Millionen die Rede, tatsächlich dürften in den 23 wards rund zwölf Millionen Menschen (etwa 1/10 aller Japaner) leben. Durch die allmorgendlich in die Hauptstadt strömenden Pendler - allein 3,8 Millionen passieren täglich den Bahnhof Shinjuku - wächst diese Zahl tagsüber natürlich dramatisch an. Jedoch - und das ist das Faszierende an dieser Stadt - Tokio "erschlägt" den Besucher nicht. Im Gegenteil, gerade die strenge Gliederung in wards lässt den vermeintlichen Moloch überschaubar und l(i)ebenswert werden. Es ist keineswegs ungewöhnlich, selbst in der eigentlichen Zentralregion Abschnitte mit fast schon dörflichem Charakter und himmlischer Ruhe zu finden - und nur wenige Meter weiter Wolkenkratzer und sich wie Betongirlanden um die Häuser windende Hauptverkehrsstraßen. Lutterjohann widmet sich den interessantesten Vierteln (von Shinjuku über Shibuya, Ginza, Ikebukuro, Akihabara bis hin zu Roppongi und Odaiba), beschreibt Ausflugsziele, Landmarks und Restaurants und ermöglicht gerade dem Erstbesucher, innerhalb von zehn oder vierzehn Tagen einen etwas tieferen Eindruck von Tokio zu gewinnen.
Allerdings haben die Japaner ein etwas eigenwilliges Adressen-System. Zum einen haben kleinere Straßen in der Regel keine Namen, vielmehr enthalten die Adressen die Nummern von Bereich, Block und Haus, zum anderen werden die Nummern in der Reihenfolge der Erbauung der Gebäude vergeben, nicht etwa fortlaufend. Deshalb orientieren sich auch Japaner bei der Suche bestimmter Adressen oft an bekannten Landmarks, wobei Ausgangspunkt der Suche meist die nächstgelegene U-Bahn-Station ist (das Nahverkehrssystem in Tokio ist sensationell gut). Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist nicht so ganz einfach, sich in Tokio zurechtzufinden. Hierbei hilft der "Tokyo City Atlas", der mir zwar mit einem anderen Cover als dem bei Amazon abgebildeten vorliegt, ISBN und Auflage stimmen aber. Dieses Buch ist, worauf in einigen Rezensionen hingewiesen wird, für Menschen, die Monate oder gar Jahre in Tokio leben und auch für die weniger bekannten, abseits gelegenen wards Karten in der im Buch gebotenen Detailliertheit bräuchten, vielleicht nicht ausreichend, aber ein Urlauber wird nahezu alle für ihn relevanten Adressen auf einer der zahlreichen Karten finden und kann sich nach der von Lutterjohann beschrieben (S. 34 f.) Methode Chome (Bereich), Block und Haus-Nummer heraussuchen und so sein Ziel wirklich schnell und effizient erreichen. Hat man irgendwo einmal durch Zufall z.B. ein Lokal entdeckt, das man gern noch einmal besuchen möchte, kann man es sich im City Atlas markieren. Denn eines - dies sage ich aus leidvoller Erfahrung - funktioniert ganz bestimmt nicht: Davon auszugehen, dass man etwas aus dem Gedächtnis wiederfindet. Zu ähnlich sehen sich viele Straßen, zu viele Ausgänge haben die einzelnen U-Bahn-Stationen...
Wer der japanischen Sprache nicht mächtig ist, sollte schließlich zum "Sprachführer Japanisch" von Lonely Planet greifen, der zum einen durch seinen moderaten Preis (7,95 EUR) überzeugt und zum anderen dadurch, dass er zahlreiche tatsächlich alltagstaugliche Redewendungen enthält. Es hilft einfach ungemein, wenn man Begrüßung, Wünsche und Dank auf Japanisch ausdrücken kann - sei es im Restaurant oder beim Friseur oder beim Arzt. Für diese und zahlreiche weitere Situationen hält der Sprachführer verblüffend viele tatsächlich nützliche Redewendungen bereit. Natürlich schleicht sich auch bei Lonely Planet die eine oder andere überflüssige Sprachhilfe ein. Wie realistisch ist es wohl, dass ein Tourist im höflichen Japan dem Verkäufer oder dem Friseur entgegenschleudert: "Anata ni tanomanakereba yokata!" (Wäre ich bloß nicht hierhergekommen!) Aber gemessen an anderen Sprachführern, die die Sprache anhand alberner Beispiele (Verfolgungsjagden mit Yakuza-Mitgliedern) nahebringen wollen, überzeugt das Exmplar von Lonely Planet alles in allem wirklich durch hohe Alltagstauglichkeit. Und wer einmal Sushi auf Japanisch bestellt hat, wird feststellen, dass allein der Versuch sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wird. Ich habe das Buch jedenfalls als unentbehrliche Hilfe empfunden, die den Aufenthalt in Japan spürbar erleichtert.
Fazit: Es gibt, rechnet man noch die englischsprachigen Reiseführer hinzu, ein gewaltiges Angebot an Reiseliteratur für Tokio, darunter ein sehr gutes Book-on-demand-Werk von Axel Schwab mit 38 ausgewählten Touren. Aber da der Tourist auch beim langen Flug nach Japan den üblichen Gepäckbeschränkungen unterliegt, lege ich in erster Linie die Mitnahme des oben beschriebenen Paketes ans Herz.