Samstag, 25. Dezember 2010

Schade: Sir Jeffrey war schon wesentlich besser

Jeffrey Archer
Der gefälschte König
Stories
Fischer 2009
239 Seiten
Sprache: deutsch
Preis: 8,95 EUR

Erhältlich bei Amazon, bei Amazon-Marketplace ab 3,81 EUR (zzgl. Porto)



Jeffrey Archer ist einer der ganz, ganz großen Erzähler und liefert seit Jahrzehnten immer wieder sensationell gute Thriller. Auch ein zwischenzeitlicher Gefängnisaufenthalt hat seiner Klasse nichts anhaben können, wie "A Prisoner of Birth" beweist - nach dem soliden, aber nicht sensationellen Buch "False Impression" war das ein Weltklasse-Archer, der sich nahtlos in die Reihe seiner großen Vorgänger (etwa "The Fourth Estate") einreihte.

Im Laufe der Jahre hat Jeffrey Archer auch immer einmal wieder Bände mit Kurzgeschichten veröffentlicht, vergnügliche, lockerleichte Tales, ganz in der Tradition seines Debütromans "Es ist nicht alles Gold, was glänzt". Mir war vor vielen Jahren das Buch "Der perfekte Dreh" in die Hände gefallen, das ich mit großer Freude gelesen habe. Nach dem nicht ganz so guten Band "Die chinesische Statue" war ich jetzt auf "Der gefälschte König" gepannt, Archers erste Kurzgeschichten-Sammlung nach seinem Gefängnisaufenthalt. Unter dem Strich hat mich das Buch leider enttäuscht. Das liegt zum einen am Stil. Stellenweise beschlich mich der Eindruck, Sir Jeffrey habe nicht geschrieben, sondern schreiben lassen - ich habe ihn einfach nicht wiedererkannt. Und das lag nicht an der Übersetzung, wie ich bei Durchsicht des Originals feststellen konnte. Die Geschichten sind einfach in einem völlig anderen Ton geschrieben. Und inhaltlich? Sicher, es gibt die eine oder andere überdurchschnittliche Story (etwa "Wohltätigkeit beginnt zu Hause"), aber davor und danach kommen eben auch viele unterdurchschnittliche ("Es kann unmöglich schon Oktober sein" oder "Eine griechische Tragödie") , und der ganz große Knüller fehlt leider ganz.

Was mich an dem Buch am meisten störte, ist, dass Jeffrey Archer aus der Perspektive eines Gefängnis-Chronologen schreibt, der die Geschichten seiner Mithäftlinge notiert. Ist es diesem Umstand, dieser Verbindung zur Realität und der damit verbundenen Bitterkeit an der einen oder anderen Stelle geschuldet, dass dem Buch ein wenig die Leichtigkeit fehlt? Leichtigkeit war immer die große Stärke Jeffrey Archers, und deshalb fällt es umso mehr ins Auge, wenn eines seiner Bücher ein wenig bemüht daherkommt.

Fazit: Archer-Fans werden auch "Der gefälschte König" lesen, aber Neueinsteiger sollten lieber zu einem der älteren Kurzgschichtenbände oder - besser noch - zu einem der großen Romane Archers greifen.