Sonntag, 20. März 2011

DER Dallas-Roman schlechthin

Mark Gimenez
The Colour of Law
Little, Brown Book Group 2007
512 Seiten
Sprache: Englisch
8,99 EUR

Erhältlich bei Amazon, bei Amazon-Marketplace ab 0,01 EUR (zzgl. Versand)




Angesichts der schieren Menge und der höchst unterschiedlichen Qualität amerikanischer Thriller, die Jahr für Jahr ins Deutsche übersetzt werden, ist mir schleierhaft, wieso Mark Gimenez´ erstklassiger Debütroman "The Colour of Law" bislang nicht in deutscher Übersetzung vorliegt, wobei der aus Texas stammende Autor merkwürdigerweise in Großbritannien eine größere Wertschätzung zu erfahren scheint als in seinem Heimatland (72 Suchergebnisse bei Amazon.uk, nur 23 bei Amazon.com). Fakt aber ist: Mit einer Gesamtauflage von über 900.000 Büchern ist Gimenez ein Bestsellerautor - viele amerikanische Thriller-Autoren erreichen diese Schwelle nicht und schaffen es dennoch in deutsche Buchhandlungen.

Mir ist "The Colour of Law" während eines Aufenthaltes in Tokio in die Hände gefallen - vielleicht wegen des etwas großspurig anmutenden Blurbs auf dem Frontcover, demzufolge die ehrwürdige britische "Times" Mark Gimenez als "the next Grisham" einstuft. Nach der Lektüre des Buches bleibt mir nur, jene Aussage zu bestätigen: Jawohl, Gimenez ist herausragend - so gut wie Grisham in seinen besten Zeiten. Und mehr noch: Mit "The Colour of Law" präsentiert er nicht nur einem hochspannenden, atemberaubenden Gerichtsthriller. Sondern auch ein Buch, das wie kein anderes das Lebensgefühl der texanischen Metropole Dallas widerspiegelt. Unser Wissen über diese Stadt stützt sich in aller Regel auf die gleichnamige Kultserie der achtziger Jahre, die das einzigartige Neben- und Miteinander von Stetson, Cowboystiefeln und Maßanzug, gläsernen Bürotürmen und Rinderherden in Millionen auch deutscher TV-Haushalte trans-portierte. So, wie die Geschichte des berühmten Ewing-Clans das Leben in Dallas aus der Sicht der unabhängigen Öl-Produzenten beschrieb, berichtet Gimenez aus der Sicht der Anwälte: A. Scott Finney ("What stand the A for?" - "Nothing.") ist Partner bei Ford Stevens, einer noblen Wirtschaftskanzlei mit zweihundert Anwälten, die im Durchnitt pro Monat 200 Stunden a`250 Dollar abrechnen. Finney, ein ehemaliger Star des einheimischen Universitäts-footballteams, verdient 750.000 Dollar pro Jahr und wohnt in einer luxuriösen Villa im Nobelstadtteil Highland Park, gemeinsam mit seiner attraktiven Frau, einer ehemaligen Cheerleaderin, und der neunjährigen Tochter Boo.

Dieses idyllische Leben gerät aus den Fugen, als Finney von einem Bundesrichter gegen seinen Willen zum Pflichtverteidiger einer Prostituierten ernannt wird, die den Sohn eines mächtigen texanischen Senators erschossen haben soll. Die Kanzlei Ford Stevens steckt in der Klemme. Sie kann es sich nicht leisten, einen Bundesrichter zu verärgern - aber noch weniger, sich Senator McCall, einen Anwärter für das Präsidentenamt, zum Feind zu machen. Finneys Chef macht unmissverständlich deutlich, was er von seinem Anwalt erwartet: Scott soll die Prostituierte in ihr Verderben stürzen lassen. Doch der weigert sich, denn er ist von ihrer Unschuld überzeugt. Damit schafft Scott sich mächtigte Feinde. Der erfolgreiche Anwalt wird plötzlich zum Paria...

Neben diesem spannenden Plot liegt der größte Reiz des Romans wie gesagt in dem ungeheuer atmosphärischen Bild, das er vom Leben der Erfolgreichen und Erfolglosen in Dallas zeichnet. Der Alltag in den Nobelsiedlungen mit der Mitgliedschaft im Country Club und den illegalen mexikanischen Dienstmädchen, der Alltag in der riesigen Law Firm, der sich plötzlich wieder kreuzende Weg zweier Studenten, von denen der eine zu Ford Stevens ging und der andere ein erfolgloser Straftverteidiger wurde, der Ruhm, der in Amerika bereits mit Erfolg im Universitätssport einhergeht (A. Scott Finney ist in Dallas eine Legende, seit er als Footballer in einem Spiel 193 Yards schaffte) - all das verarbeitet Gimenez zu einem großartigen, packenden Gemälde.

Fazit: Wie die "Times" sagte: Der neue Grisham! Unbedingt lesen!