1. Doppeltes Spiel
2. Aggressor
3. Die Abrechnung
Alle Bücher sind zwischen 2001 und 2008 bei Blanvalet erschienen und bei Amazon erhältlich.
Formschwankungen sind nicht nur bei Sportlern völlig normal, sondern - leider - auch bei Thrillerautoren. Ein exzellentes Beispiel hierfür ist Altmeister John Grisham. Wer einige seiner wirklich großen Bücher - "Die Firma" oder "Der Partner" oder "Die Bruderschaft" - gelesen hat, wird sich nur schwer vorstellen können, dass ein so lieblos heruntergeschriebenes, einfach nur schlechtes Machwerk wie "Berufung" aus der gleichen Feder stammt. Aber auch in seiner frühen Phase hatte Grisham gute und nicht so gute Momente. Bücher wie "Der Klient" oder "Die Kammer" erreichten meines Erachtens nie die Klasse von "Die Firma" oder "Die Akte".
Ganz ähnlich ist es bei Andy McNab, der übrigens nicht mit Tom McNab zu verwechseln ist, dessen großartiges Buch "Trans-Amerika" ich vor einiger Zeit besprochen habe. Andy Mcnab ist ein ehemaliger SAS-Agent, der militärisch geprägte Thriller schreibt. Ich habe hier einmal drei seiner Bücher ausgewählt, die das ganze Spektrum - von Weltklasse bis Kreisklasse - abdecken.
Aufmerksam geworden bin ich auf Andy McNab durch seinen - nach meiner Wahrnehmung einzigen in Amerika spielenden - Roman "Doppeltes Spiel". Die Story hatte mich deshalb gereizt, weil McNab für seine Handlung nicht die üblichen Schauplätze - New York, Los Angeles, Washington, D.C. - gewählt hat, sondern das verschlafene Fayetteville, North Carolina. McNabs Serienheld Nick Stone soll eine abtrünnige Kollegin aufspüren. Die ehemalige Agentin Sarah versteckt sich mit arabischen Attentätern in einem abgelegenen Haus. "Doppeltes Spiel" beschreibt, und das ist meines Erachtens die große Stärke des Autors, minutiös und detailliert die Vorbereitungen Stones, die Observierung des Hauses und dann die eigentliche Operation, nämlich das "Herausholen" seiner Ex-Kollegin aus diesem natürlich gut bewachten Versteck. Früher verband Nick mit Sarah eine leidenschaftliche Affäre. Jetzt - dieser Befehl kommt schon bald aus London - soll er sie liquidieren. Sarah erkennt seine Pläne und informiert ihn über eine Verschwörung, der sie auf der Spur ist. Nick weiß schon bald nicht mehr, wem er noch glauben kann... Auch wenn das Buch am Ende ein wenig an Leichtigkeit und vor allem an Glaubhaftigkeit verliert, war meine erste Begegnung mit Andy McNab höchst vielversprechend.
Dafür sollte die zweite zum Alptraum geraten. "Die Abrechnung" wählte ich, weil das Buch teilweise im Kongo spielt. Vielleicht wäre es geschickter gewesen, zunächst zu "Aggessor" zu greifen, weil das Buch zeitlich zwischen "Doppeltes Spiel" und "Die Abrechnung" angesiedelt ist, aber das hätte die Lektüre von "Die Abrechnung" nicht wesentlich angenehmer gemacht. Trotz der an sich reizvollen Handlungsorte - neben Schwarzafrika noch das schweizerische Lugano - gelingt es McNab diesmal nicht ansatzweise, mich zu fesseln. Nick Stone folgt seiner nach Afrika zu einer Hilfsmission aufgebrochenen Freundin Silke, die dort zwischen die Fronten eines der nie enden wollenden Bürgerkriege gerät. Die Handlung ist streckenweise wenig glaubhaft, die Figuren bleiben blutarm - nie taucht vor meinem Auge ein Bild von Silke auf -, und dem Roman fehlt auch jegliche Atmosphäre. Ich "sehe" den Kongo einfach nicht. Kurz und gut: Nach "Die Abrechnung" war ich von Andy McNab erst einmal geheilt.
Viele Monate später, genaugenommen zwei Jahre :-), gab ich ihm mit "Aggressor" doch eine weitere Chance. Diesmal folgt Stone einem ehemaligen Kollegen von Australien über die Türkei nach Georgien, nicht, um ihn zu fassen oder zu töten, sondern um ihn zu beschützen. Jener - mittlerweile todkranke - Ex-Kollege hat sich, um seine Frau finanziell abzusichern, als Söldner auf ein Himmelfahrtskommando eingelassen und Stone will ihn wieder nach Hause bringen. Das Buch ist nicht ganz so gut wie "Doppeltes Spiel", aber wesentlich besser als "Die Abrechnung", womit sich zeigt, dass auch ein Andy McNab mitunter erheblichen Formschwankungen unterliegt. Um nicht missverstanden zu werden: Er ist ein hervorragender Autor, und seine Bücher sind weitaus besser als vieles, was sonst an Übersetzungen aus Amerika oder Großbritannien zu uns kommt. Aber der Klassenunterschied zwischen seinen Büchern fällt doch ins Auge.
Fazit: Wer militärisch geprägte Thriller mag, ist bei Andy McNab absolut an der richtigen Adresse. Aber das konkrete Buch will sorgfältig ausgewählt sein.