Freitag, 6. Mai 2011

Ein ganz, ganz großes Buch!

Tom Mc Nab Trans-Amerika
Aufbau-Taschenbuch 2008
553 Seiten
Sprache: Deutsch
Preis: 11,95 EUR

Erhältlich bei Amazon, ab 4,80 EUR (zzgl. Porto) bei Amazon-Marketplace
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Eine grandiose Idee, ebenso grandios umgesetzt: Ein Wettlauf - der größte in der Geschichte der Menschheit - mitten durch das Amerika der Großen Depression, organisiert von dem charismatischen Promoter C.C. Flanagan. Von Los Angeles durch die Wüste nach Las Vegas, über die Rockys, an den endlosen Weizenfeldern von Kansas und Iowa vorbei nach St. Louis, in das von Al Capone beherrschte Chicago und dann weiter nach New Jersey bis nach New York City. 5.062 Kilometer und 134 Meter. Zweitausend Läufer gehen an den Start, magisch angezogen von der übermenschlichen Herausforderung - achtzig Kilometer pro Tag an sechs Tagen die Woche über einen Zeitraum von fast drei Monaten - und dem sensationellen Preisgeld für den Sieger: 150.000 Golddollar, garantiert von der Trans-Amerika-Bank. Das Teilnehmerfeld könnte ungewöhnlicher nicht sein: Da laufen ein vom FBI gesuchter Ex-Gewerkschaftler und ein britischer Lord einträchtig nebeneinander, ein junger Mexikaner, der sein Dorf retten will, und eine ehemalige Tänzerin, der Laufveteran "Doc" Cole, ein Schotte aus Glasgow und eine Mannschaft der Hitlerjugend.

Man sollte meinen, dass bereits der Lauf als solcher durch unterschiedliche Klimazonen mit sengender Hitze an einem Tag und eisiger Kälte am nächsten, mit überschwemmten Straßen und feindseligen Bergen für alle Beteiligten einschließlich den Promoter und sein unermüdliches Team anstrengend genug wäre. Doch auf sie warten nahezu täglich Herausforderungen ganz anderer Art: Mächtige Gegner des Trans-Amerika lassen in Washington ihre Kontakte spielen, um den Lauf zu sabotieren. Sponsoren ziehen ihre Zusagen zurück, auf einen Läufer wird ein Mordanschlag verübt, ein zweiter ist gedopt, und in Chicago will der Mob den Ausgang des Rennens beeinflussen. Der permanent am finanziellen Abgrund taumelnde Flanagan muss seine Läufer ein ums andere Mal bitten, mit Showeinlagen der besonderen Art Geld einzuspielen, um den Jahrhundertlauf am Laufen zu halten. Heute ein Schaulaufen gegen ein Pferd, morgen ein Kampf gegen einen Preisboxer, übermorgen ein Tauziehen gegen stämmige Schottinnen. In Cleveland pokert Flanagan gar höchstpersönlich um die Zukunft seines Projektes.

Tom McNab ist mit "Trans-Amerika" ein ganz, ganz großes Buch gelungen, das in unnachahmlicher Weise das brodelnde Amerika der 30er Jahre lebendig werden lässt und nebenbei auch noch höchst vergnügliche und spannende Unterhaltung bietet, mit überraschenden Wendungen und vielen Informationen zu den Anfängen des Profilaufsports. Mitunter mag das Buch ein wenig wie am Reißbrett entworfen wirken - jetzt kommt die Geschichte von X, hier ein Plotpoint, dann die Geschichte von Y, dann wieder ein Plotpoint - und einige der Figuren mögen ein klein wenig klischeehaft daherkommen, aber das ist ein Nörgeln auf hohem Niveau. Passend zum Buch gibt es einen für deutsche Verhältnisse außerordentlich gelungenen Klappentext - der tatsächlich zum Kauf animiert - und ein stimmungsvolles Cover.

Fazit: "Trans-Amerika" ist kein brandneues Buch, aber da ich es erst in diesem Jahr entdeckt habe, ist es - jedenfalls bislang - mein Buch 2011. Unbedingt lesen!