Warren CromartieSlugging It Out In Japan
Penguin Books 1992
336 Seiten
Sprache: Englisch
Originalpreis: 5,99 $
Erhältlich bei Amazon-Marketplace ab 14,89 Euro (zzgl. Porto)
Doch, doch, ich habe dem amerikanischen Nationalsport Baseball eine Reihe von Chancen gegeben. Ich habe in New York die Yankees und die Mets besucht, diverse Minor-League-Games im Umkreis von Washington, D.C. (lange, ehe die Nationals kamen) und sogar eine Partie der legendären Yomiuri Giants im Tokyo Dome. Dennoch ist mir Baseball immer - vorsichtig formuliert - fremd geblieben. Folgerichtig hatte ich auch den Namen Warren Cromartie nie zuvor gehört. Wenn ich an dieser Stelle dennoch seine Biographie "Slugging It Out In Japan" empfehle, dann deshalb, weil es ein hervorragendes Buch ist, obwohl sich alles um Baseball dreht. Denn Cromartie, zuvor Profi in Montreal, feierte seine größten Erfolge als Baseball-Legionär in Tokyo und erzählt in seinem Buch äußerst spannend auch und gerade von seiner Zeit als Gaijin. Da mich Japan seit jeher fasziniert (siehe auch die früheren Beiträge 1 und 2) und ich 2007 ebenfalls einige Monate in Tokyo gelebt habe (übrigens im gleichen Viertel wie Cromartie), musste ich nicht lange überlegen, als ich "Slugging It Out In Japan" entdeckte.
Nachdem der nie sonderlich diplomatische "Cro" 1983 in Montreal nicht mehr erwünscht war (er und der ihm in herzlicher Abneigung verbundene General Manager Jim Fanning waren sich bereits früher unter unerfreulichen Umständen begegnet), sondierte er als "free agent" zunächst Angebote verschiedener Major League Klubs. San Francisco war interessiert und auch Boston und Seattle, aber zu einem Vertragsschluss kam es nicht. Auf einmal meldeten sich die Yomiuri Giants, das janapische Pendant der New York Yankees, und boten "Cro" einen Dreijahresvertrag mit einem Gehalt von 600.000 $. Wenige Wochen später landete der dunkelhäutige Outfielder in Tokyo.
Eine Liebe auf den ersten Blick war es allerdings nicht: Cromartie berichtet vom gnadenlosen Drill im Vorbereitungslager und stundenlangen Besprechungen mit Videovorführungen, von Auswärtsspielen in gesichtslosen Betonstädten und im Bus kettenrauchenden Mitspielern (alle außer ihm rauchten!), von seiner Einsamkeit in seinem Apartment im Botschaftsviertel Hiroo und von seinen sportlichen Eingewöhnungsschwierigkeiten. Er beschreibt sein Verhältnis zum legendären Trainer Sadaharu Oh, zur mitunter aggressiven japanischen Boulevardpresse und zu taktierenden Funktionären. Höchst amüsant ist zu verfolgen, wie er ungeachtet immer neuer Ankündigungen, Japan "nach dieser Saison zu verlassen", seinen Vertrag doch stets wieder verlängert (zuletzt für 2 Millionen Dollar pro Saison). Er sollte insgesamt sieben Jahre in Tokyo bleiben und zu einem der prominentesten (und erfolgreichsten) Ausländer werden, die je in der japanischen Central League aktiv waren.
Fazit: Sicher ist das Buch für eingefleischte Baseball-Fans von noch größerem Interesse. Aber auch wer einfach nur am Leben eines Gaijin im Tokyo der Mittachtziger teilhaben oder die Karriere eines amerikanischen Sportlers im Ausland verfolgen möchte, wird von "Slugging It Out In Japan" fasziniert sein.